4. Sprachenportfolio

Das Sprachenportfolio ist ein Instrument zur Lernstandsermittlung und dokumentiert sowohl den Sprachlernprozess als auch den Erfahrungsstand der Kinder. Seine Anwendung setzt eine allmähliche und durch die Lehrkraft ausgelöste Befähigung des Kindes zur Selbstbeobachtung und -einschätzung voraus.

Durch den Europarat wurde die Entwicklung von offiziellen landesspezifischen „Europäischen Sprachenporfolios“ initiiert. Ein solches Portfolio besteht aus drei Teilen, der Sprachenbiografie, dem Dossier und dem Sprachenpass, die bereits für den frühkindlichen Lerner angelegt werden könnten.

  • Die „Sprachenbiografie“ enthält persönliche Angaben zum eigenen Fremdsprachenlernen, zu Lernerfahrungen und interkulturellen Begegnungen, vorgegebene Raster zur Selbstbeurteilung als Hilfe zur Einschätzung des eigenen Lernstandes, vorgegebene Lernziele als Hilfe zur Planung des eigenen Lernens und zur Entwicklung der eigenen geeigneten Lernwege u.a.
  • Das „Dossier“ ist eine Sammlung von selbst ausgewählten Lernergebnissen (Bilder, Aufsätze, Gedichte, CDs, Poster u.a.) [1].
  • Der „Sprachenpass“ gibt eine Übersicht über die Sprachkenntnisse des Portfolioinhabers nach Kompetenzstufen und wird von der Lehrkraft ausgefüllt.
  • Je nach Altersgruppe sollten die drei Bestandteile unterschiedlich intensiv einbezogen werden. Im Kindergarten wird vor allem das Dossier benutzt und als Grundlage zu Aussagen über den Lernfortschritt zu Rate gezogen. In der Grundschule können die Kinder mit der Arbeit an ihrer Sprachenbiographie allmählich vertraut gemacht werden [2].

Neben der Selbsteinschätzung bietet das Portfolio die Möglichkeit, andere Personen (Eltern und Lehrkräfte bei Übergang in die Schule oder nächste Schulstufe) über den Lernstand des Portfolioinhabers zu informieren. Besonders sinnvoll ist das Portfolio beim Übergang von einer Lernstufe zur weiterführenden Schulform. Es ist aber kein Zeugnis, kein Leistungsnachweis, sondern eine Art Tagebuch, das individuell gestaltet dem Kind ganz persönlich nützen soll.

Es wird davon abgeraten, das Portfolio unter institutionellem Druck zur obligatorischen Aufgabe für Lehrkräfte und Lerner zu machen